Projekte (Univ. Wien)

Das Helwan Projekt

Prof. Dr E.C. Köhler

Der Fundort Helwan bezeichnet eine gewaltige Nekropole, die sich am östlichen Ufer des Nils von Ma'ssara im Norden bis auf die Höhe der modernen Stadt Helwan im Süden erstreckt. Ursprünglich hat dieser Fundort einmal 100 Hektar an Land bedeckt, doch ist davon nur noch ein Bruchteil erhalten, da er stark von moderner Bebauung betroffen ist.

Der Fundort wurde bereits in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erforscht, insbesondere aber während der 40er und 50er Jahre, als der ägyptische Archäologe Zaki Y. Saad mit Finanzierung des damaligen Königs Faruk den Friedhof systematisch erkundete und dabei mehr als 10000 Gräber entdeckte. Durch diese Grabungen wurde bekannt, das es sich hauptsächlich um eine Nekropole der ägyptischen Frühzeit handelt (c. 3300 - 2700 v.Chr.), obwohl eine eindeutige Zuordnung zu einer Siedlung damals noch nicht möglich war.

Nach kurzfristigen Folgegrabungen durch die ägyptischen Behörden in den darauffolgenden Jahren gingen systematische Untersuchungen erst wieder seit dem Jahre 1997 weiter, als eine Australische Mission der Macquarie University in Sydney unter der Leitung von E. Christiana Köhler die Arbeiten an dem Friedhof wieder aufnahm. Außerdem ist das Helwan Projekt auch seit 1997 mit der Aufnahme der von Saad entdeckten Funde beschäftigt, die sich z.T. in Magazingräbern vor Ort und bis vor Kurzem im Ägyptischen Museum in Kairo befanden, und die bald im New Museum for Egyptian Civilization ausgestellt werden sollen.

Über 13 Kampagnen ist es der Australischen Mission bis Anfang 2010 gelungen, eine Auswahl an bereits erkundeten Gräbern mit modernen Methoden wieder auszugraben und zu dokumentieren, tausende an Fundstücken der umfassenden Sammlung aus Saad's Grabungen zu lokalisieren und aufzunehmen, und in bisher unbekannten Bereichen des Friedhofs archäologische Ausgrabungen an 200 Gräbern nach modernen, wissenschaftlichen Maßstäben zu unternehmen. Mit Köhlers Berufung an die Universität Wien hat sich zwar die Grabungsleitung verlagert, doch sind zahlreiche Mitarbeiter aus Sydney auch weiterhin an dem Projekt beteiligt und so erfreut es sich weiterhin einer fruchtbaren internationalen Kooperation.

Aufgrund intensiver internationaler Forschung der jüngeren Neuzeit ist es heute möglich, die Bedeutung dieses Friedhofs besser zu verstehen. Daher wissen wir, dass der Friedhof von Helwan der breiten Bevölkerung der Landeshauptstadt Memphis während der frühesten Phase der pharaonischen Geschichte diente und so wertvolle Einblicke in die gesellschaftliche Entwicklung und das urbane Leben dieser Zeit ermöglicht. Mit 10000 bekannten Gräbern, von denen der Großteil sicherlich in die Frühzeit datiert, ist Helwan der größte Friedhof dieser Zeit. Da auch die Mehrzahl dieser frühen Gräber den Unter- und Mittelschichten der Memphitischen Gesellschaft gehört, ist anzunehmen, dass die damalige Stadt nicht unweit gelegen hat.

Chronologie des Fundplatzes
Abgesehen von prähistorischen Streufunden, gibt es Indizien, dass die Belegung des Friedhof bereits in der spätesten Vorgeschichte einsetzte und dann schon im frühen Naqada III auch Elitegräber vorwies. Diese weisen darauf hin, dass bereits zu dieser Zeit, also c. 100 Jahre vor Beginn der 1. Dynastie, hier eine Siedlung existierte, die nicht nur über eine relativ komplexe Gesellschaftsform verfügte, sondern auch mit Eliten in anderen Regionen Ägyptens in wirtschaftlichem Kontakt stand. Letzteres ist u.a. durch ein Zylindersiegel aus der Saad Grabung bezeugt, das mit dem Serech eines Herrschers beschriftet ist, der bisher nur aus Abydos bekannt ist. (Köhler 1999, 2005)

Die Hauptbelegungsphase des Friedhofs dürfte in die 1. und 2. Dynastie fallen. Aus dieser Zeit sind tausende an Gräbern unterschiedlicher Form und Ausstattung belegt, die umfassende Einblicke in die Architektur, materielle Kultur, Bestattungsriten, und Chronologie der Frühzeit erlauben. Insbesondere ist das Helwan Projekt derzeit bemüht, die relative Chronologie der 2. Dynastie zur erarbeiten, da für diese historische Zeitspanne von unsicherer Länge (Schätzungen variieren zwischen 140 und 220 Jahren)noch wesentliche chronologische Eckpunkte fehlen und auch die Verknüpfung mit der archäologisch datierten Chronologie des ausgehenden Naqada III schwierig ist. Zur Zeit arbeiten wir mit 3 Phasen des Naqada IIID, die hauptsächlich auf der Analyse der Keramik, Lithik, Steingefäße und Architektur der Gräber beruhen und die das Material zwischen dem späten Naqada IIIC (späte 1. Dynastie) bis in das frühe Alte Reich kontinuierlich überbrücken. Eine andere wesentliche Frage ist, inwieweit sich die Naqada Chronologie bis ins Alte Reich fortführen lässt und wie sich die relative Chronologie mit der historischen und absoluten Chronologie Ägyptens einbinden lässt. Zu diesem Zweck arbeitet das Projekt eng mit den Kollegen im Radiokarbon Labor des Institut Français d'Archéologie Orientale (IFAO) in Kairo zusammen, um Proben aus archäologisch gut datierten Gräbern zu testen.

In manchen Bereichen des Friedhofs, z.B. am nordwestlichen Rand, gibt es gute Indizien (vor allem Keramik und Kleinfunde), dass sich die Belegung kontinuierlich bis ins Mittlere Reich verfolgen lässt, aber auch, dass sporadisch hier noch über das Neue Reich hinaus bestattet wurde.

Beschreibung der Grab-Architektur
Die frühzeitlichen Gräber teilen sich in zwei generelle Typen des Unterbaus auf. Bei gut erhaltenen größeren Strukturen lassen sich auch Oberbauten (Mastabas) nachweisen. (Köhler, in: Archéo-Nil, 2008)

Typ I ist der aus der Vorgeschichte stammende Typ des Grubengrabes, das unterschiedliche architektonische Varianten hat. Die einfachste Form besteht aus einer einfachen ovalen oder rechteckigen Grube unterschiedlicher Größe und Tiefe. Bei größeren Gräbern kann es vorkommen, dass der Innenbereich durch Lehmziegelmauern unterteilt ist, also aus Grabkammer und Seitenräumen besteht, und dass ein seitlicher Treppenabstieg oder eine Rampe nach unten führt. Zur Fertigstellung des Grabes wurde die Grabgrube mit horizontalen Holzbalken und Lehmziegeln abgedeckt und danach bis zur Oberfläche verfüllt. Dieser Typ ist, insbesondere in seiner einfachen Variante, bis in das Alte Reich gut belegt.

Typ II verfügt über horizontal in den Untergrund gehauene unterirdische Kammern, die über eine Treppe oder einen Schacht zu erreichen sind. Die Größe und Anzahl der Räume variiert von einer kleinen, einfachen Kammer, die gerade groß genug ist um die Bestattung aufzunehmen, zu große, tief in den Untergrund gehauene Mehrraum-Anlagen, deren Boden- und Deckenniveau auch unterschiedlich sein kann. Dieser Grabtypus beginnt in Helwan erst in der 2. Dynastie, setzt sich aber bis in das Mittlere Reich fort.

In einigen Fällen konnte beobachtet werden, dass Gräber in Folge von Beraubung zuerst verfielen und später, nach struktureller Modifizierung, wiederverwendet wurden.

Auch ist bekannt, dass in wenigen Fällen die Wände des Unterbaus mit monolithischen Steinplatten verschalt wurden, was möglicherwiese auf ein größeres Sicherheitsbedürfnis für die Bestattung und Beigaben des Inhabers hinweist. Diese Steingräber verleihen wertvolle Hinweise auf die Ingenieurstechnik und Steinmetzkunst in der Frühzeit und stellen wichtige Stationen in der frühen Entwicklung des monumentalen Steinbaus in Ägypten dar.

An Oberbauten sind nur wenige erhalten, doch ist es möglich eine Entwicklung von Lehmziegelmastabas mit komplexer Nischenarchitektur in der 1.Dynastie, über einfache Mastabas mit glatter Fassade und 2 Nischen (die südliche für den Totenkult) zu Mastabas mit überdachter Kultkapelle im frühen Alten Reich zu beobachten. Außerdem wissen wir heute, dass die von Saad als Ceiling-Stelae interpretierten Grabplatten mit Opfertischszene als Teil der Architektur dieser Oberbauten zu rekonstruieren sind. Diese Grabplatten kennzeichnen sich durch hieroglyphische Inschriften und figürliche Darstellungen und sind in Helwan bereits ab dem Ende der 1. Dynastie belegt. Aufgrund ihrer äußeren Form und ihren Inschriften kann man heute davon ausgehen, dass sie in der Fassade des Oberbaus und oberhalb der Kultnische angebracht waren, wo sie das Grab mit Namen (und Titel) des Grabherrn oder der Grabherrin identifizierten und so eine Vorform der späteren Scheintür darstellen. (Köhler & Jones 2009)

Beschreibung der Bestattungen
Wo eine intakte Bestattung in situ dokumentiert werden konnte (was wegen der umfassenden, z.T. mehrfachen, antiken Beraubung der Gräber sehr selten ist), ergaben sich folgende Beobachtungen. Die Mehrzahl der Leichen wurden in linksliegender Hockerstellung bestattet, der Kopf zumeist im Norden und das Gesicht somit nach Osten gewendet.

Weniger häufig ist eine Linke Seitenlage mit dem Kopf nach Süden und Gesicht nach Westen. Darüber hinaus sind auch andere Positionen und Orientierungen belegt. Oft ist die Hockerstellung so stark ausgeprägt, dass die Beine parallel zum Körper gefaltet und anliegend sind. Die Arme sind angewinkelt und vor dem Oberkörper liegend, manchmal fanden sich die Hand vor oder unterhalb des Gesichts. Die Toten befinden sich grundsätzlich in einem Behältnis, sei es in eine Schilfmatte oder ein Leintuch gewickelt oder in einem Sarg aus Lehm, Keramik, Holz oder aus organischem Geflecht, und eine Kombination dieser Behältnisse, z.B. Schilfmatte und Tuch, oder Sarg und Tuch, ist möglich. Doch ist dies oft nur mit Schwierigkeit festzustellen, da die Erhaltung von organischen Materialien, je nach Bodenfeuchtigkeit, sehr variiert. Auch wenn die organische Erhaltung manchmal noch sehr gut ist, wenn z.B. noch Reste von Stoff oder der Körperbehaarung und Haut festgestellt werden, ist es dennoch nicht möglich Aussagen über etwaige Entfernung von Organen oder andere Indizien für postmortale Präparierung der Leiche als Hinweis von früher Mumifizierung zu machen.

Zuweilen wurden auch Mehrfachbestattungen registriert, doch ist es wegen der Beraubung meist schwierig zu entscheiden, ob es sich um Mit-, Nach- oder spätere Sekundärbestattungen handelt. Daneben wurden auch Tierbestattungen (z.B. Hunde, Schaf/Ziege) festgestellt.

Aufgrund der bereits erfolgten anthropologischen Untersuchungen an den menschlichen Überresten lässt sich bereits sagen, dass wir es mit einem guten Ausschnitt der memphitischen Gesellschaft zu tun haben und dass sowohl Männer und Frauen, als auch Kinder unterschiedlichen Alters hier bestattet wurden. Auch ergab sich, dass diese Menschen von grundsätzlich guter Gesundheit und Ernährung waren, u.U. auch ein hohes Alter erreichen konnten, und einige von ihnen physisch hart arbeiteten.

Grabbeigaben
Bei reicheren Bestattungen finden sich innerhalb des Sargbereiches, also in direkter Nähe des Toten, bestimmte Grabbeigaben wie z.B. Schmuck, kosmetische Utensilien, Steingeräte, Metallwerkzeuge und kleinformatige Stein- oder Keramikgefäße. Außerhalb, wenn also der Sarg in der Fläche kleiner ist als die Grabgrube/kammer, oder andernfalls in der oberen Füllung des Grabes, finden sich dann weitere Stein- und Keramikgefäße, wie z.B. Bier- und Weinkrüge, Schalen, Teller und Brotbackformen, wobei hier nicht selten eine bewusste Zerstörung dieser Gefäße festgestellt wurde, die noch vor der Deponierung im Grab erfolgt sein musste.

Auch kommt es vor, dass Tierknochen identifiziert werden können, die auf Fleischbeigaben von Rind, Schaf/Ziege, Fisch und Geflügel hinweisen.

Bei großen Strukturen lies sich manchmal auch beobachten, dass der gesamte Raum der Grabgrube an den Wänden mit einer Holzverschalung ausgestattet war, die dann die Mehrzahl der Grabbeigaben und Bestattung umschloss. Wo dies festgestellt wurde, kam es auch vor, dass Wein- und Bierkrüge außer- und oberhalb der Holzkammer, oft auch oberhalb der Grababdeckung deponiert wurden.

Zuweilen wurde auch beobachtet, dass Scheingefäße aus Kalkstein im Eingangsbereich des Grabes deponiert wurden. Aufgrund ihrer zylindrischen Form lassen sie sich mit entsprechenden Darstellungen von Ölgefäßen vergleichen, die als typischer Anteil von Opfertischszenen und Opferlisten ab der 2. Dynastie vorkommen.

Soziale Stellung der Bestatteten
Anhand der Gräber in Helwan selbst lässt sich bereits ablesen, dass ein breites soziales Spektrum der memphitischen Bevölkerung vertreten ist. Die einfachsten und kleinsten Gräber, die auch die Mehrzahl der Gräber ausmachen, gehören vermutlich den ärmeren Unterschichten, also vermutlich Bauern und ungelernten Arbeitern an. Daneben gibt es Gräber, deren Größe, Architektur und Ausstattung auf wohlhabendere Menschen hinweisen, die sich weitaus mehr funerären Aufwand zur Bestattung ihrer Angehörigen leisten konnten und wollten. Wirklich große, monumentale Anlagen sind in der Minderheit und weisen darauf hin, dass hier zwar Eliten bestattet waren, doch sind auch die größten Anlagen in Helwan kleiner als die kontemporären Elitegräber in Nord-Saqqara. Aufgrund der gefundenen Inschriften kann man auch vermuten, dass es sich bei den Inhabern der größeren Gräber um Beamte der niedrigeren Schichten innerhalb der Verwaltungshierarchie, Priester, Handwerker und Spezialisten, aber auch Königstöchter und -Söhne handelt. Im Vergleich mit anderen memphitischen Nekropolen der Frühzeit lässt sich daher auch erkennen, dass die Bevölkerung des frühen Memphis bereits eine sehr komplexe, mehrschichtige Gesellschaft war, die in einem dicht besiedelten urbanen Primärzentrum lebte.

Derzeitige Forschungsfragen
Memphitische Friedhöfe der Frühzeit sind nach modernen archäologischen Kriterien bisher nicht gut erfasst. Wie kann die Nekropole Helwan zum besseren Verständnis der Frühzeit im allgemeinen beitragen?Wie ist die genaue chronologische Einordnung und Belegungsgeschichte des Friedhofs im Vergleich zu anderen memphitischen Nekropolen?Gibt es spezifische Informationen zum Beginn der Hauptstadt Memphis?Lässt sich die relative Chronologie der Region von Memphis näher definieren?Erlaubt das Material auch die absolute Chronologie dieser Region näher zu beleuchten?Was lässt sich zur sozialen Struktur und Organisation der Nekropole sagen (z.B. gibt es eine Mittelschicht)?Welche Informationen gibt es um die wirtschaftliche, politische, religiöse und soziale Bedeutung der Stadt zu beleuchten?Mitarbeiter

Grabungsleitung
E. Christiana Köhler (Universität Wien, vormals Macquarie University, Sydney)

Menschliche Überreste
Chris Marshall und Roxie Walker (Institute for Bioarchaeology, San Francisco)

Archäobotanik
Ahmed Fahmy, Adel Ali (Universität Helwan)

Keramik
Jane Smythe (American Research Center in Egypt), Amber Hood (Oxford University)

Kleinfunde, EDV
Natalie Barlow (Macquarie University)

Architekturaufnahme
Amanda Kiely (Macquarie University)

Photographie
Juanita Sheehan, Andrew Wiese, Tawfik el-Gazzar, Georgie Lampe, David Pritchard und verschiedene andere Mitarbeiter des Projektes

SCA Inspektor für die Facility for Archaeological Research at Helwan (FARAH)
Moafak Mahmud Maher

Grabungsvorarbeiter
Ibrahim Abulhamdi, Bakry Badri, Abdel Gabbar Mohammed, Serag Bakhid, Alaa Ali

Danksagung und Projekt Finanzierung
Das Helwan Projekt hat von folgenden Institutionen finanzielle Unterstützung erhalten: Australian Research Council, Macquarie University, Institute for Bioarchaeology, Brennan Foundation, Universität Wien. Außerdem sind wir auch den vielen ungenannten privaten Sponsoren und studentischen Mitarbeitern dankbar, die das Projekt finanziell und physisch unterstützt haben.

Vor allem danken wir Dr. Zahi Hawass, Vorstand des Supreme Council of Antiquities in Ägypten, und Mr. Mostafa Bedir, Direktor des Inspektorats in Helwan, und ihren Mitarbeitern für ihren Beistand und Hilfe.

Helwan Projekt Beschreibung mit Abbildungen

Vom Vorbild zum Abbild Die visuelle Wiedergabe und Benennung der materiellen Kultur in der zweidimensionalen Kunst der Gräber des Mittleren Reiches

ao. Univ.- Prof. Dr. Peter Jánosi

Das Bildprogramm der Grabanlagen des Mittleren Reiches (MR) in Ägypten (ca. 2055 – 1650 v. Chr.) bietet eine Fülle an Themen und Szenen, die aus zahlreichen „Objekten“ aufgebaut sind: Gegenstände wie Kleidung, Schmuck, Möbel, Geräte und Werkzeuge. „Vom Vorbild zum Abbild“ setzt sich zum Ziel, diese Artefakte in drei verschiedenen Herangehensweisen zu untersuchen.
a) Die zweidimensionalen Abbildungen (Ikonen) sollen im Bezug zu ihren dreidimensionalen Vorbildern (Objekte) untersucht werden. Welche Objekte wurden wie dargestellt? Diese Umsetzung ist bedeutsam, denn sie vermittelt dem Betrachter den Sinngehalt und das Wesen eines Objekts (z. B. eine bestimmte Truhenform) oder eines bestimmten Schrittes in einem Arbeitsprozess (Handwerk). Darüber hinaus soll untersucht werden, ob, wie und wann Veränderungen in der materiellen Kultur in der zeitgenössischen Kunst reflektiert wurden. Waren bestimmte Objekte und ihre Darstellungen spezifisch für eine Region oder gab es allgemeingültige ikonografische Darstellungsweisen in ganz Ägypten?
b) Da viele Szenen und Abbildungen von Texten begleitet werden, die eine Handlung erläutern oder ein Objekt benennen, sollen diese Bezeichnungen mit eingehender Sorgfalt untersucht werden. Um zu einem umfassenden Verständnis zu gelangen, wird es daher unerlässlich sein, die kunsthistorische und archäologische Forschungsfrage mit einer tief greifenden philologischen Aufarbeitung der Begleittexte zu ergänzen. Die Bezeichnungen sollen lexikologisch und morphologisch untersucht werden, um weiterführende Informationen über das Wesen eines Gegenstandes und seiner Eigenschaften zu erhalten. Die Auswertung, was den Ägyptern im Zusammenhang mit einem Gegenstand wichtig erschien, in Worte zu fassen bzw. wie sich Abbildung und Text zueinander verhalten, wird bedeutsam sein für das Verständnis der altägyptischen Denkweise.
c) Für die umfassende Zusammenstellung der Abbildungen wird das MEKETREpository, das im MEKETRE Projekt (Die Entwicklung von Bildinhalt und Bedeutung der Reliefs und Malereien in den Gräbern des Mittleren Reiches, FWF Projekt 21571-G21) erfolgreich entwickelt wurde, grundlegend ausgebaut, indem Crowdsourcing-Technologien wie Citizen Science, Game with a Purpose angewandt werden. Dies erlaubt Forschern anderer Institutionen und interessierten Laien gleichermaßen anhand einfach zu nutzender Oberflächen trivial anmutende Aufgaben durchzuführen, die jedoch in Summe gesehen eine wertvolle Ergänzung der Datenbasis darstellen. Dazu gehören etwa das Hochladen von Bildern mit relevantem Inhalt, das Bereitstellen von Kommentaren oder das Einbringen von neuen Schlagwörtern in den Thesaurus.

Projektleiter: Peter Jánosi
Projektdauer: 3 Jahre
Projektbeginn: November 2013

Projektmitarbeiter Institut für Ägyptologie, Universität Wien:
Lubica Hudáková, Uta Siffert, Claus Jurman

Projektmitarbeiter Research Group Multimedia Information Systems
Faculty of Computer Science, Universität Wien: Peter Kalchgruber

 

Letzte Aktualisierung: 21. 11. 2014