Projekte (Univ. Köln)

Cologne Aswan Summer School in Heritage Studies

Dr. Heinz Felber

The idea of the Summer School on Cultural and Natural Heritage on the First Cataract of the Nile is the fruit of different initiatives of Egyptian and German institutions from different disciplinary backgrounds, working independently from each other for several years, but combined into a collaborative framework in 2014.

In June 2010, a conference co-organized by UNESCO and the Secretariat of the Convention on Biological Diversity pressed for biological and cultural diversity to be genuinely integrated into development cooperation strategies and programs. The Conference resulted in the 2010 Declaration on Bio-Cultural Diversity and the draft Joint Program between UNESCO and the Secretariat of the Convention on Biological Diversity (SCBD), containing a number of proposed actions.

The same initiative and approach were discussed again during the 18th General Assembly and Scientific Symposion of ICOMOS in Florence, November 2014. It has been stated that a separation between Cultural and Natural Heritage, in terms of discussions, practice and recognition is too problematic to be of a value for the future.

The UoC Forum Heritage decided to build on its good network with Egyptian colleagues and institutions working on Natural and Cultural Heritage in Aswan and to respond early to the new international intentions and ideas of linking cultural and natural heritage in discourse and practice. According to the Forum’s agenda a framework and platform is being created for this approach to be discussed, criticized and developed in a context which goes far beyond Europe-centered interpretations.

All this will create an excellent educative and capacity building atmosphere for the interested international students – especially in a region as rich in cultural and natural heritage as Aswan and the First Cataract, being a World Cultural Heritage site since 1979.

Cologne Aswan Summer School in Heritage Studies

The archaeology of pharaonic Egypt: society and culture in the Old and Middle Kingdom

Prof. Dr. Richard Bußmann

Dieses Buchprojekt ist der Synthese aktueller Debatten zur Archäologie, Gesellschaft und Kultur des Alten und Mittleren Reiches gewidmet. Die behandelten Epochen stellen den ersten Zyklus zentral organisierter Staatsgewalt im unteren Niltal dar und sind damit eines der frühesten Beispiele komplexer Gesellschaften in der Menschheitsgeschichte.

Das Buch zeichnet auf der Grundlage von archäologischen, bildlichen und schriftlichen Quellen die wesentlichen Entwicklungslinien der ägyptischen Gesellschaft von ca. 2700 bis 1700 v. Chr. nach. Ein Schwerpunkt liegt auf der Integration von Makro- und Mirkohistorie. Es soll am Beispiel Ägypten erörtert werden, was moderne Konzepte wie „Zivilisation“, „Hochkultur“ und „Staat“ für die Menschen der Vergangenheit in ihren lokalen Gemeinschaften bedeutet haben. Das Buch stützt sich auf fachübergreifende Theorien von sozialer Praxis, Repräsentation und Materialität und soll einen Beitrag zur kulturvergleichenden Diskussion früher Zivilisationen leisten.

Ägyptologie Köln

Verwaltungspraxis und Gesellschaft: Die Siegelabrollungen aus Hierakonpolis

Prof. Dr. Richard Bußmann

Hierakonpolis ist ein Zentralort der ägyptischen Staatsentstehungszeit, ca. 3300 bis 2700 v. Chr. Der Ort wurde durch den Fund der sogenannten „Narmer-Palette“, einer Prunkpalette mit der ersten monumentalen Darstellung eines ägyptischen Pharao, bekannt. Das Objekt kam mit vielen anderen Funden vor mehr als hundert Jahren bei Ausgrabungen im Tempelgebiet von Hierakonpolis zu Tage. Die mangelhafte Publikation der Grabung hat es lange Zeit erschwert, den archäologischen Kontext der Palette und des Stadt- und Tempelgebiets zu verstehen. Daher ist die Erforschung von nicht publizierten Archivquellen und Objekten aus Hierakonpolis ein wesentlichen Pfeiler für das bessere Verständnis der Narmer-Palette und, im weiteren Sinne, der Entstehung des pharaonischen Königtums.

Unter den Objekten befanden sich etwa 300 Siegelfragmente aus Nilschlamm. Sie waren ursprünglich an Gefäßen, Türen, Kisten und anderen Objekten angebracht. Beim Öffnen wurden die Siegel aufgebrochen und auf dem Boden liegen gelassen. Dort wurden wo Archäologen gefunden. Die meisten von ihnen tragen Inschriften mit Titeln und Namen der sich formierenden ägyptischen Zentralverwaltung. Die Siegelabrollungen spiegeln einen neuen Maßstab für Techniken der sozialen Kontrolle wieder, die typisch für frühe komplexe Gesellschaften im Übergang von der Prähistorie zur geschichtlichen Zeit ist.

Das Projekt ist der Dokumentation der Siegelabrollungen und der mit ihnen zusammen gefundenen Objekte gewidmet. Die Rekonstruktion der Inschriften, die Korrelation von Inschrift, gesiegeltem Objekt und Verwaltungstiteln und die Analyse der Fundkontexte wird im Licht übergeordneter Fragen zur Entstehung früher Zentralstaaten, neuer administrativer Praktiken und der Rolle der frühen Hieroglyphenschrift in der Genese der pharaonischen Zivilisation ausgewertet.

Siegelabrollungen

Epigraphische Arbeiten im Tempel von Kom Ombo, III

Prof. Dr. Françoise Labrique

Geplant ist die Veröffentlichung sämtlicher Dekorationselemente, die sich im kleinen Hypostyl, dem sog. Erscheinungssaal (Salle d’apparition), befinden und vorwiegend aus der Zeit von Ptolemaios VIII. und Ptolemaios XII. stammen. Sie schließen die Wandflächen des Raumes und die darin befindlichen zehn Rundsäulen ein. Dafür werden hauptsächlich dieselben Methoden wie bereits bei Kôm Ombo II angewandt, doch kommen auch neue Techniken zum Einsatz: für die Aufnahme der gewölbten Reliefs auf den Säulen sind eine Spezialkamera sowie eine aufwändige Nachbearbeitung nötig. Nur so können die Darstellungen verzerrungsfrei wiedergeben und anschließend in Form von Faksimiles gezeichnet werden. Diese Arbeit wird von dem Topografen Olivier Onézime und dem Fotografen Gaël Pollin übernommen und stellt eine der zentralen Aufgaben für die kommenden Feldforschungskampagnen vor Ort dar.

Kom Ombo

Zawyet Sultan: Archaeology and heritage in Middle Egypt

Prof. Dr. Richard Bußmann

Die archäologischen Überreste der altägyptischen Stadt Hebenu, beim heutigen Dorf Zawyet Sultan gegenüber der modernen Stadt el-Minya gelegen, geben einen hervorragenden Einblick in die Entwicklung einer Provinzhauptstadt über einen Zeitraum von 5000 Jahren, von der Prähistorie über die pharaonischen Epochen bis in die frühislamische Zeit und die Moderne. Die erhaltenen Überreste umfassen unter anderem eine königliche Pyramide, dekorierte Monumentalgräber, einfachere Gräber, Baureste von Göttertempeln und ausgedehnte Siedlungsreste verschiedener Epochen.

Zawyet Sultan, auch Zawyet el-Meitin, Zawyet el-Amwat und Kom Ahmar genannt, ist in der Forschungsliteratur durch Ausgrabungen, Surveys und seine Grabinschriften gut bekannt. Der Schwerpunkt bisheriger Arbeiten in Zawyet Sultan lag mit wenigen Ausnahmen auf den monumentalen Überresten, insbesondere den Tempeln und Gräbern, während der eigentliche Siedlungs- und Landschaftszusammenhang kaum berücksichtigt wurde. Dadurch erscheinen die Monumentalbauten weitgehend dekontextualisiert von ihrem archäologischen und sozialen Umfeld.

Das Projekt zielt darauf ab, an Hand des Beispiels Zawyet Sultan das Hinterland der pharaonischen Hochkultur und die Wechselwirkung von Landschaft und ägyptischer Gesellschaft besser zu verstehen. Vergleichbare Projekte sind bisher überwiegend aus Oberägypten bekannt, während die Dynamiken in Mittelägypten nur in Ausschnitten erforscht sind. Auf Grund seiner Größe und guten Erhaltung kann die archäologische Stätte von Zawyet Sultan hier eine Schlüsselrolle spielen. Darüber hinaus sollen Perspektiven für aktuelle Ansätze der archäologischen Ethnographie und des Kulturerbemanagements für den Ort entwickelt werden.

Zawyet Sultan